19. November 2010
USA Südwesten über Nevada, Arizona und Kalifornien 8. Oktober bis 10. November 2010
Utah hat die meisten National Parks der USA und so ist es nicht verwunderlich, dass wir hier von einem Highlight zum nächsten reisten. In Escalante absolvierten wir mit einer Rangerin eine dreistündige Wanderung. Sie klärte uns über die geologischen, botanischen und geschichtlichen Besonderheiten auf und führte uns zu alten Wandmalereien. Noch am selben Tag gings weiter nach Westen zum Bryce Canyon NP.
Die zwei Nächte verbrachten wir auf dem Sunset Campground auf über 2'400 m.ü.M. Dies hat sich dann auch bei den nächtlichen Temperaturen bemerkbar gemacht. Das Thermometer fiel unter den Gefrierpunkt, was in über 200 Nächten im Jahr der Fall ist. Ganz im kleinen Rahmen haben wir am Samstag, 9. Oktober 2010 das 10 ½ jährige Jubiläum gefeiert: was tolles zum Essen gekocht von Jolanda, einen guten Rotwein aus dem Karton und ein wärmendes Feuer! Wir haben bis jetzt auf unserer Reise doch schon einige tolle Sachen gesehen und erlebt, aber der Bryce Canyon NP war landschaftlich absolut top. Eigentlich ist er gar kein Canyon, sondern eine Abbruchkante an einer geologischen Störung entlang eines über 20 Meilen langen Riffs. Die vielen Felsnadeln, auch Hoodoos genannt, werden durch Erosion (Wasser und Luft) geformt. Während rund 4 Stunden wanderten wir durch eine Märchenlandschaft und machten Fotos ohne Ende... Am Abend lernten wir Cindy und Mike Boggs aus Virginia kennen. Auch sie fahren ein anständiges Auto (Defender 110) und weil es der erste Defender war, der wir in den USA sahen, war dies Grund genug um anzuhalten und ins Gespräch zu kommen.
Wir trafen die beiden nochmals im Zion NP und diskutierten über Gott und die Welt bei einem leckeren Nachtessen. Später als geplant (es war inzwischen schon dunkel) ging die Fahrt weiter bis zum nächsten Wal-Mart in Hurricane. Wir haben uns ja schon gefragt, warum sich diese Stadt so nennt... Die ganze Nacht hat ein orkanartiger Wind um den Landy gepfiffen. Eine schlechte Gegend für Damen mit langen Haaren...
In Las Vegas sind die Hotelpreise unter der Woche zum Teil so tief wie ein Campingplatz teuer. Deshalb gastierten wir für USD 25 pro Nacht für drei Nächte im Golden Gate Hotel & Casino (www.goldengatecasino.com), welches seit 1906 existiert und das erste Hotel mit Casino in Las Vegas war. Der angeblich ebenfalls sehr bekannte Shrimp-Cocktail mit Ketchup haben wir dann weggelassen, auch wenn sie ihn schon über 25 Millionen mal serviert haben... Und nein, wir haben kein Geld gewonnen (dazu müssten man/frau vielleicht auch noch spielen). Dafür haben wir Geld ausgegeben. Wir besuchten zwei Shows: Caveman und Lion King. Jetzt weiss Jolanda etwas mehr wie wir Männer funktionieren, ich hatte leider wieder einen leichten Rückfall beim „selektiven Hören“. Und in einem brasilianischen Restaurant liessen wir es uns auch gut gehen. Nevada ist der einzige Bundesstaat in den USA, der die Prostitution erlaubt und es mit dem Alkohol auch nicht so streng nimmt. Wir haben für beides kein Interesse gezeigt, uns dafür aber von der speziellen Atmosphäre (ohne nackte Weiber und ohne einen schwindligen Kopf) beeindrucken lassen. Uns hat auch noch eine tolle Nachricht aus der Schweiz erreicht: Beat Krieger, einer meiner besten Freunde, wir uns vom 22. November bis 4. Dezember 2010 in Mexico besuchen kommen. Juphii!
Von Las Vegas führte uns die Reise nach Nordwesten zum Death Valley NP. Eine gnadenlose Landschaft und selbst im Herbst noch sehr warm. Kaum vorstellbar, wie heiss es hier im July und August ist. Der Hitzerekord liegt bei 57° Celsius (1913) und der tiefste Punkt liegt 86 m unter dem Meeresspiegel. Die Nacht bei Panamint Springs war dann auch die wärmste seit Beginn unserer Reise. Am nächsten Morgen ging es nicht allzu spät weiter zum Yosemite NP, wo uns bereits der erste Schnee beim Überqueren des Tioga Passes auf 3'031 m.ü.M. begrüsste. Dummerweise waren wir an einem Samstag angereist und natürlich waren alle Campingplätze im und vor dem Park restlos ausgebucht, auch die Wettervorhersage für die nächsten Tage war schlecht. Weiter hiess das Motto und wir fuhren bis nach Oakdale, wo Western Reitwettkämpfe von verschiedenen Highschools statt fanden und wir uns auf der grossen Wiese zwischen die Pferdeanhänger stellten. Am Morgen bestaunten wir dann die Reitkünste der Teilnehmer bevor wir uns weiter Richtung San Francisco machten.
Heute geht’s mit der Stadtbahn von Berkeley ins Herz von San Francisco. Nach etwas Orientierung im Visitor Center folgten wir zu Fuss einer der drei noch betriebenen Cable Car Linien (eine Art Standseilbahn) in Richtung Chinatown. Die Hügel sind wirklich erstaunlich steil und die alten Wagen rattern rauf und runter. Von Chinatown ging es weiter ins Italienische Viertel und danach weiter an die vielen Piers im Nordosten der Stadt. Hier ist man dann auch gleich umgeben von Touristenmassen. Als gute Ablenkung dienen dabei die alten Tramwagen, die das sehr gute öffentliche Transportsystem ergänzen oder der Besuch eines Sushi-Restaurants. Jolanda hat mir bei Essen wieder einmal geduldig zugeschaut... Nach dem wir die Dokumente für die mexikanische Autohaftpflichtversicherung ausgedruckt haben und endlich noch Briefmarken kaufen konnten (alle Läden verkaufen Postkarten aber keine Briefmarken...), besuchten wir noch eine riesengrosse Buchhandlung bevor wir uns nach ca. 15 km mit müden Füssen wieder ins doch viel gemütlichere Berkeley zurückzogen. Heute Abend besuchten wir den Italiener, gönnten und Risotto und Gnocchi sowie eine gute Flasche Rotwein.
Eine Grossstadt ist für uns eine Grossstadt und nicht viel mehr (wahrscheinlich liegen unsere Interessen einfach etwas anders) und so verabschiedeten wir uns von San Francisco und machten uns auf dem Highway 1 auf den Weg in Richtung Süden. Diese Strasse gilt als eine der Traumstrassen der Welt und führt 200 km der steilen Pazifik Küste entlang. Dabei besuchten wir die typischen Beach Towns Santa Cruz und Monterrey. Die Campingplätze sind hier fast unverschämt teuer, wir haben uns dann für die „wilde“ Variante für USD 0.- entschieden.
Die Reise geht weiter nach Süden. Wir machten diverse Stopps an tollen Stränden, besuchten Seelöwen, schauten Surfern zu oder grillierten Marshmallows mit Nutella und Crackers mit Amerikanern.
Bei der Durchfahrt in Buellton sahen wir ein cooles Restaurant mit Bar im Blockhausstil und entschlossen uns spontan für etwas „Ausgang“ am Samstagabend. Dort lernten wir Scott und Stuart kennen. Stuart lud uns zu einem Glas Wein bei sich nach Hause ein. Dabei lernten wir auch seine Frau Amy und seinen 1-jährigen Sohn Carlson kennen. Wir durften vor dem Haus übernachten. Am nächsten Morgen fuhren wir gemeinsam nach Santa Barbara wo Stuart ein Jetski- und Bootsverleih betreibt. Auf einem Yamaha-Jetski mit 110 PS konnten wir eine halbe Stunde auf dem Meer umherflitzen. Wir schafften es bis 65 km/h, die Limite wäre bei etwas über 80 km/h. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in „The Gold Spring Tavern“ (fast 100 Jahre alt) besuchten wir das Weingut „Sunstone“ bei Santa Ynez. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend bei Stuart zu Hause, konnten nochmals vor dem Haus übernachten bevor wir am nächsten Morgen (nach einer Dusche) uns auf den Weg in Richtung Santa Barbara. Der folgende Tag galt dem Faulenzen: lesen, Reisebericht schreiben, Fotos sortieren, fressen, schlafen... Haben wir schon lange nicht mehr gemacht und es tat uns unheimlich gut!
Da wir am Donnerstag, 28. Oktober 2010 in Los Angeles sein müssen (unser Landy erhält einen Service) ging es weiter entlang der Küsten Richtung Süden nach Malibu und Santa Monica. Dort besichtigten wir dass bekannte Pier bevor wir am Strand den Sonnenuntergang genossen. Die Nacht verbrachten wir bei Wal-Mart im Simi Valley, nach dem wir uns durch den Abendverkehr der Vororte von L.A. gekämpft haben.
Früh morgens ging es in die Rush Hour nach Inglewood zum British Car Service. Wir haben kurz die nötigen Arbeiten besprochen, vor Ort im Internet ein Hostel für zwei Nächte in Hollywood gebucht und uns dann mit einem kleinen Rucksack zu Fuss und mit der Metro auf den Weg nach Hollywood gemacht. In einer kleinen Stadt dauert das nur 1 ½ Stunden J Das Hostel lag nur 100 Meter entfernt vom Hollywood Boulevard, viel näher geht’s wohl kaum mehr. Am ersten Abend fand die Filmpremiere von Due Day mit Robert Downey Jr., welchen wir dann auch noch zu Gesicht bekamen... Keine Ahnung wer das ist, ist aber auch egal. Uns hat leider niemand in der Menge entdeckt und uns wurde auch nicht mit viel Gekreische zugejubelt. Irgendwie habe ich den falschen Job... Danach schauten wir uns den Film RED mit Bruce Willis, Morgen Freeman an. Die Stadt ist bereits in Halloween Stimmung und auf den Strassen konnte man die unmöglichsten Kostüme sehen. Vielleicht laufen hier einige aber auch das ganze Jahr über ähnlich gekleidet herum, ein bisschen extravagant zu sein kann in Hollywood sicher nicht schaden. Am nächsten Mittag erhielten wir die Nachricht, dass unser Landy fertig ist und es ausser dem üblichen Service und kleinen Verschleissreparaturen nichts zu machen gab. So machten wir uns wieder auf den langen Weg zur Garage, bezahlten die USD 550.00 per Kreditkarte (die scheint endlos Geld zu haben). Selbstverständlich wollten wir auch noch den Sunset Boulevard, Beverley Hills und den Rodeo Drive sehen. Ich habe noch nie so viele günstige Fahrzeuge auf so engem Raum gesehen, es scheint wirklich sehr viele arme Leute in dieser Gegend zu haben. Nach einem weiteren Besuch eines Bücherladens und erfolgreicher Jagd von weiteren Karten und Reiseführern ging es nach Palm Springs, wo wir bei einem thailändischen Nachtessen für das Leiden am Vorabend „kompensierten“. Als Tischnachbarn hatten wir ein kanadisches Ehepaar, dass seit über 61 Jahren verheiratet ist und im Sommer in Vancouver und im Winter in Palm Springs lebt.
Beim Besuch des Josua Tree NP lief uns in einem ausgetrockneten Flussbett eine Tarantula über den Weg. Etwas weiter im Nordwesten besuchten wir den Cholla Cactus Garden bevor wir uns auf dem Campingplatz von Jumbo Rocks einquartierten (USD 10.00). Dort haben wir Heidi und Richard Kossmann aus Deutschland kennengelernt. Sie reisen mit einem Ford Ranger mit einer Kabine von www.bimobil.com. Sie haben auch die Verschiffungsgesellshaft SeaBridge gebucht und sind eine Woche vor uns in Halifax angekommen. Den Abend verbrachten wir gemeinsam in ihrem Camper bei einem Glas Wein. Sie haben ein Jahr Zeit zum Reisen und wollen noch nach Zentralamerika. Wir haben uns soweit abgesprochen, dass wir den Grenzübertritt nach Mexico wenn möglich gemeinsam machen. Nach einer ruhigen Nacht mit tollen Sternenhimmel, begrüsste uns der morgen wiederum mit strahlendem Sonnenschein und einen tiefblauen Himmel. Wir verbrachten 2 tolle Tage mit Wandern und süssem Nichtstun. Wir verliessen den Park auf einer 4WD-Route durch eine grosse Ebene, die anschliessend in einen Canyon hinein mündete, wo uns das Flussbett bis an den Ausgang des Tales zurück in die Zivilisation führte. Bei Oceanside erreichten wir wieder die Küste, legten eine Mittagspause an der Beach ein und übernachteten an der South Carlsbad State Beach und an der San Elijo State Beach.
Am Freitag, 5. November 2010, sind wir pünktlich wie eine Schweizer Uhr bei Sandy und John und seinem Sohn Ryan (23) in Del Mar erschienen. Sie wohnen in einer besseren Wohngegend etwa 500 Meter oberhalb der Beach in toller Hanglage. Im Gästezimmer mit eigenem Bad und Zugang begrüssten uns frische Blumen. Bereits am ersten Abend wurden wir in ein nahegelegenes Restaurant ausgeführt und gemäss der Familientradition eingeladen. Am Samstag begleiteten wir sie bei den Einkäufen und besuchten gemeinsam mit ihnen am Abend das Konzert in Downtown San Diego von Macy Gray und John Legend ihm Stadion der San Diego Padres (Baseball). Anschliessend rundeten wir den bereits tollen Abend mit einem feinen Nachtessen im Gas Lamp District ab. Am Sonntag schliefen wir aus und am Nachmittag reinigten und reorganisierten wir den Landy und gönnten uns ein paar Sonnenstrahlen in einem Park gleich an der Beach. Wir konnten auch noch den Treffpunkt für die gemeinsame Einreise nach Mexico mit Heidi und Richard koordinieren: Mittwoch, 10. November 2010, 10:00 Uhr beim Postamt in Jamul. Am Abend wurde grilliert und viel geschwatzt. Wir besuchten den Zoo von San Diego und das Cabrillo National Monument in Begleitung unseres ausgezeichneten Reiseführers John und seinem Landrover 90. Am Nachmittag erkundete Jolanda für zwei Stunden das Gas Lamp District von San Diego und John und ich besuchten den Flugzeugträger USS Midway, die ihren Dienst von 1945 bis 1992 absolvierte. Ihr letzter grosser Einsatz war 1991 während der Befreiung von Kuwait als Kommandozentrale für die gesamte Operation. Auf dem Flugdeck und im Hangar sind unzählige Flugzeuge ausgestellt, darunter auch F-18 und diverse Helikopter. Da John während des Vietnam-Krieges auf Versorgungsschiffen der Navy vor der Küste von Vietnam im Dienst war, erhielt ich auf meine vielen Fragen viele spannende Antworten und Geschichten erzählt. Den letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir in ihrem tollen Haus, grillierten fantastische Steaks und genossen wunderbaren Wein. Leider galt es am nächsten Morgen nach 5 Tagen Abschied zu nehmen. Sie versicherten uns nochmals, dass wir jederzeit bei ihnen herzlich Willkommen sind!
Die Fahrt zum Postamt in Jamul dauerte eine Stunde. Am selben Ort halfen wir Heidi und Richard als Übersetzer beim Abschluss der nötigen Fahrzeugversicherungen für Mexico, bevor wir uns gemeinsam auf den Weg zur Grenze bei Tecate machten. Leiter mussten wir dort feststellen, dass die Immigrationsbehörden uns an diesem Grenzübergang nur die Papiere für Personen aber nicht für Fahrzeuge ausstellen können. Wir wurden auf die Grenzübergänge in Mexicali und Tijuana verwiesen. Da wir bereits auf Mexikanischem Boden waren bedeutete dies die erneute Einreise in die USA. Dort war dann die „Verwirrung“ etwas grösser, wir wurden aber sehr nett beraten und der Grenzbeamte hat uns sogar den Weg nach Tijuana auf einem Routenplaner inkl. Google Earth Karte ausgedruckt. Zur unserer Verwirrung haben sie noch von weiteren nötigen Dokumenten gesprochen, die vor dem Grenzübertritt zu besorgen sind, wovon jedoch der Mexikanische Zollbeamte kein Wort gesagt hat. So fuhr unser kleiner Caravan um 13:00 Uhr zurück nach San Diego und zum Grenzübergang bei Tijuana. Bevor wir das „Experiment“ mit unseren Fahrzeugen absolvieren wollten, haben wir uns zu Fuss über die nötigen Formalitäten bei Grenzbeamten informiert. Dort hiess es dann, wir müssen zuerst mit den Fahrzeugen über die Grenze und können erst dann die Importdokumente beantragen. Da es nun bereits kurz vor 16 Uhr war und die Rush Hour der Mexikaner für die Rückkehr nach einem Arbeitstag in der USA nach Mexico im vollen Gange war, haben wir uns entschieden, eine Nacht auf dem Wal-Mart zu verbringen und am nächsten Morgen ohne Stau über die Grenze zu fahren. Zu unserer Überraschung wurden wir beim Wal Mart vom Security-Fahrzeug mit Blaulicht zu unserem Standplatz eskortiert. Wir sind gespannt, was uns beim Grenzübertritt in Tijuana erwartet. Mehr dazu im nächsten Reisebericht hoffentlich aus Mexico...
Alles Gute und liebe Grüsse in die Schweiz
Jolanda und Marco
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