08. März 2011
Kuba (21. Januar bis 17. Februar 2011)
Wenn jemand uns nach Kuba fragt, beschreiben wir unsere dreiwöchige Reise mit den Worten: „Eine Zeitreise 50 Jahre in die Vergangenheit“. Diesen Eindruck haben wir bereits beim Flug von Cancun nach Havanna erhalten. Nachdem wir freundlicherweise von Anna und Peter, die auf dem Campingplatz El Mecoloco in Cancun „Dauermieter“ sind, zum Flughafen gefahren wurden und dadurch die überteuerten Taxipreise umgehen konnten, begrüsste uns die Fluggesellschaft Cubana und ihre „flotte“ Flotte.
Das russische Flugzeug vom Typ Yak 42D war so ca. 30 Jahre jung und erinnerte uns eher an die Science Fiction Filme von Flash Cordon in schwarz-weiss als an ein zeitgemässes Transportmittel. Wir sind fast an der Decke geklebt als es plötzlich unter den Sitzen zu rauchen begann, glücklicherweise haben wir rausgefunden das dies die Klimaanlage sei und dieser Rauch uns den ganzen Flug über begleiten wird. Aber die Kiste konnte wirklich noch fliegen und 1 ½ Stunden später landeten wir in Havanna. Jolandas Eltern kamen 3 Stunden später ebenfalls in Havanna an. Ein spezieller Moment nach über 7 Monaten seine Eltern wieder zu sehen! Nach einer kurzen Fahrt in einem Oldtimer zu unserer Privatunterkunft (Casa Particulares) in Vedado verköstigten wir uns bei der Imbissbude um die Ecke. Es gab viel zu erzählen... Zurück in unserer Unterkunft kommt schon fast noch Weihnachtsstimmung auf: Mary und Lui haben diverse Ersatzteile, Gebrauchsartikel, Basler Läckerli etc. aus der Schweiz mitgenommen und wir packen fröhlich die Sachen aus. Als „Gegenleistung“ dürfen sie einige Souvenirs und überflüssige Sachen mit nach Hause nehmen. Die folgenden Tage besuchten wir verschiedene Stadtteile von Havanna, das Revolutionsmuseum (Fidel Castro hat mal einen Land Rover Defender gefahren – mit Einschusslöchern) und machten eine Bustour. Praktisch in allen Restaurants, die wir besuchten, wurde live Musik gespielt. Besser könnte die Einstimmung auf Kuba nicht sein. Wir lernten auch gleich den öffentlichen Verkehr kennen: entweder die Busse kommen gar nicht oder sie sind randvoll mit Menschen. Wir haben und dann für ein Oldtimer-Taxi entschieden...
Nach drei Nächten in Havanna erhielten wir unser Mietauto, einen Seat Altea XL, mit welchem wir während 14 Tagen bis nach Holguin fahren wollen. Das Fahrerteam Lui und Marco machte sich mit den Fahrzeug vertraut während sich die Damen aufs chauffiert werden freuten. Unsere Reise führte uns zu folgenden Orten: La Habana – Vinales – Pinar del Rio – San Luis – Matanzas – Jovellanos – La Boca – Cienfuegos – Trinidad – Sancti Spiritus – Ciego de Avilla – Camagüey – Las Tunas – Bayomo – Santiago de Cuba – Mayari – Holguin – Cayo Saetia – Holguin.
Zuerst ging die Fahrt in den Westen und wir verbrachten 2 Nächte in Vinales in einem Casa Particular. Dies sind Privatunterkünfte von Familien, die ein bis zwei Zimmer an Gäste vermieten. Sie kochen auch für die Gäste und verglichen mit den Restaurants ist es eine köstliche Küche. Bei einer 3-stündigen Wanderung im Nationalpark Valle de Vinales lernten wir viel über die Kultur, die Landwirtschaft und das Leben in dieser Region kennen. Die Region ist bekannt für ihre Kalksteinformationen, die ein bisschen an die Ha Long Bucht in Vietnam erinnern. Das Gestein ist so porös, dass es unzählige Höhlensysteme gibt. Am Nachmittag war getrenntes Programm angesagt: Jolanda ging reiten und der Rest besuchte die Höhlen von Santo Tomas. Dank den Privatunterkünften erhält man einen sehr guten Einblick in das Alltagsleben der Kubaner. Unser Gastgeber ist Arzt im 25 km entfernten Spital und berichtet uns, dass er einen defekten Pneu am Auto hat. Er hätte zwar das Geld für einen neuen, leider gibt es aber keine. So muss er nun jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen und an der Strasse warten, bis er von jemandem mitgenommen wird um sicher zu stellen, dass er um 8 Uhr im Spital ist. Hier schienen sich die Grenzen des Sozialismus abzuzeichnen... Weiter ging es via Pinar del Rio nach San Luis, wo wir eine Tabakplantage besichtigten und uns in die Kunst des Zigarrenrollens einweihten. Als Nichtraucher hab ich dann trotzdem eine Zigarre geraucht, aber ich werde es in Zukunft lassen. Lui kauft noch ein Paar Zigarren als Geschenke für seine Kollegen zu Hause. Unser kurzer Ausflug in den Westen war bereits zu Ende und wir fuhren auf der fast leeren Autobahn nach Osten bis nach Matanzas. Unterwegs fahren wir in starken Regen und die Strasse verwandelt sich in einen Bach. Jetzt ist es noch schwieriger die Löcher zu erkennen und zu umfahren. Von Matanzas aus wollten wir eigentlich die Strände von Varadero besuchen, der Wetterbericht hatte aber alles andere als Strandwetter angesagt und wir entschieden uns nach einer Nacht im CP (Casa Particulares) die Insel von Nord nach Süd zu durchqueren und den Nationalpark Cienago de Zapah zu besuchen. Von Boca aus absolvierten wir eine Bootsfahrt zur Laguna de Tresero (Schatzlagune), ein Paradies für „Vogelliebhaber“ und anschliessend besuchten wir eine nicht wirklich sehenswerte Krokodilfarm bevor wir uns in Cienfuego ein CP suchten. Für das Nachtessen „erlaubten“ wir uns den Besuch eines nahegelegenen Hotels wo wir uns für CHF 15.00 am Buffet bedienen dürfen. Nach dem Besuch des Stadtzentrums von Cienfuego ging die Reise weiter entlang der Südküste bis kurz vor Trinidad, wo wir uns für 2 Nächte in einem Hotel direkt am Meer einquartierten. Es gab sogar einen kleinen bescheidenen Sandstrand und abgesehen von einem halbtägigen Ausflug nach Trinidad genossen wir die Zeit mit Lesen am Strand und Sonne tanken. Da das öffentliche Verkehrssystem in Kuba sehr schlecht ist und sie zur Not Lastwagen zu Bussen umfunktioniert haben, welche meistens bis zum Bersten vollgestopft sind, warten viele Menschen am Strassenrand auf eine Mitfahrgelegenheit. Die staatlichen Fahrzeuge sind per Gesetz aufgefordert, falls Platz im oder auf dem Fahrzeug ist, wartende Menschen mitzunehmen. Auf der Fahrt nach Trinidad nehmen wir einen Hotelangestellten mit und leisten einen bescheidenen Beitrag um das Transportproblem zu lösen.
Die Träumstrände des Nordens wollen wir uns nicht entgehen lassen und fahren via Moron zur Cayo Coco an der Nordküste. Als wir auf der 17 km langen Dammstrasse uns der Insel nähern, passieren wir eine schon fast grenzähnliche Kontrolle. Wir müssen die Pässe vorweisen und unser Fahrzeug wird registriert. Kubaner, die ebenfalls in diese Zone einreisen möchten, benötigen dafür eine Bewilligung (im eigenen Land)! Hier ist auch die Trennlinie zwischen dem sozialistischen und dem kapitalistischen Kuba. Dem Volk erklärt die Regierung, wie gut der Sozialismus für sie ist, in den Touristenzonen praktiziert die Regierung dann aber die absolute Reinform des Kapitalismus. Das ganze System wird noch zusätzlich durch zwei verschiedene Währungen in zwei Welten aufgeteilt: Die Moneda Nacional fürs Volk und der Peso Convertible für die Touristen oder diejenigen Kubaner, die Geschäfte mit den Touristen machen. Dadurch verstärkt sich die soziale Kluft innerhalb der kubanischen Gesellschaft noch mehr. Meinem Kenntnisstand entsprechend hat dies nicht mehr viel mit dem Grundgedanken des Sozialismus zu tun. Aber vielleicht komme ich ja auch gar nicht draus... Viele kennen Kuba aus den Reiseprospekten und haben in den Ferien meistens nur die Touristenzonen gesehen. Nach ca. 10 Hotels die alle ausgebucht oder zu teuer sind, finden wir eindlich ein passendes 4 Stern Hotel und buchen 2 Nächte („all inclusive“). Irgendwie kommen wir uns wie in einer anderen Welt vor, nach dem wir das wirkliche Kuba bereits einige Tage erleben und erfahren durften. Wir geniessen den Luxus, faulenzen am Strand, Essen ausgiebig und haben Spass beim Billard spielen. Nach 2 Tagen tauchen wir wieder in das reale Kuba ein und fahren nach Camagüey, wo wir eine Stadttour mit dem Velotaxi unternehmen und wiederum bei einem CP übernachten.
Ursprünglich war gar nicht geplant weiter in den Osten als bis nach Holguin zu fahren. Die noch verbleibenden Reisetage lassen aber einen Abstecher nach Santiago de Cuba zu und wir verbringen dort wohl fast die spannendsten Tage der 3 Wochen. Wieder einquartiert bei lokalen Familien besuchen wir in den Bergen den Aussichtspunkt beim Cran Piedra (Monolith) und die Kaffeeplantage Cafetal La Isabelica inkl. Führung und Degustation. Den Hunger am Mittag stillen wir in einem Strandrestaurant an der Playa Sibonay bevor wir frisch gestärkt das Castillo del Moro aus dem Jahr 1590 besichtigen. Die Burg thront auf einem Felsen an der Küste vor Santiago de Cuba. Die Einfahrt in die Bucht ist sehr eng und die Lage könnte strategisch nicht besser sein. Hier noch eine Anmerkung zu den Lebensmittelläden: 1. Die Regierung verteilt Lebensmittelmarken für Grundnahrungsmittel, 2. Für Brot wird geduldig in langen Schlangen angestanden, 3. In den Läden für Moneda Nacional sind die Lebensmittel wie in einem Museum in Vitrinen „ausgestellt“ und es gibt nicht wirklich viel zu kaufen. Im krassen Gegensatz dazu scheint es bei den Damen nicht an Nagellack und High Heels zu fehlen...
Von Santiago de Cuba geht es weiter nach Norden zum Nationalpark de la Mensura, wo wir 2 Nächte in einem Hotel in Pinares de Majari verbringen. Eine Wanderung führt uns auf einen Aussichtspunkt auf knapp 1'000 m.ü.M. Obwohl wir ja mit dem Essen nicht über die Stränge schlagen, wollen wir doch noch etwas fit bleiben. Wir übernachten ein letztes Mal in einem CP in Holguin bevor wir am 7. Februar 2011 das Mietauto mit über 2'200 km mehr abgeben. Die letzten 4 Nächte verbringen wir auf der Cayo Saetia. Die zweistündige Anfahrt bewältigen wir mit einem Taxi. Früher war diese Insel ein „Jagdrevier“ für Parteifunktionäre und Gäste von Fidel Castro. Aus dieser Zeit stammen auch die vielen importierten Tiere wie Zebras, Büffel, Antilopen etc. Heute dienen die 12 Bungalows als Unterkünfte für Touristen. Wir verbringen 2 Tage am Strand, lernen dabei die sehr unangenehmen Bisse von Sandfliegen kennen (die auch noch zwei Wochen später beissen), unternehmen eine kleine Safari auf der Insel und geniessen die letzten Tage auf Kuba. Aus noch ungeklärten Gründen darf ich (Marco) auf der Insel auch noch meinen 35. Geburtstag feiern. Eine Gehhilfe habe ich zum Glück noch nicht geschenkt bekommen... An dieser Stelle allen nochmals herzlichen Dank für die vielen Glückwünsche!
Leider neigt sich unser Aufenthalt in einem der letzten sozialistischen Länder der Welt dem Ende entgegen. Nochmals geht es im Taxi in umgekehrter Richtung zurück nach Holguin an den Flughafen, von wo aus Jolandas Eltern via Frankfurt zurück nach Zürich fliegen. Nach 3 erlebnisreichen Wochen fällt uns der Abschied sehr schwer, wieder verlässt uns ein Stück Heimat. Herzlichen Dank an Mary und Lui für diese tollen drei Wochen! Jolanda und ich haben abends um 20:30 Uhr einen Nachtbus nach Havanna. In einem der modernsten Reisebusse, die wir bis jetzt zu Gesicht bekommen haben, fahren wir ca. 900 km nach Westen und erreichen morgens um 6:30 Uhr Havanna. Wir können verhältnismässig gut schlafen und bekommen von den diversen Zwischenstopps nur wenig mit. Mit dem Taxi geht es vom Busterminal an den Flughafen, wo nochmals ein Paar Stunden warten angesagt ist. Kurz nach dem Mittag gilt es auch für uns Kuba Tschüss zu sagen. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation (hauptsächlich verursacht durch das Embargo der USA) haben wir die Kubaner als frohe und herzliche Menschen kennengelernt. Wir fliegen wieder mit der russischen Zeitmaschine nach Cancun.
Nochmals für kurze Zeit zurück in Cancun mieden wir wiederum die überteuerten Flughafentaxis und führen mit dem Bus und einem Kollektiv-Taxi zurück zum Campingplatz. Nach über 20 Stunden Rückreise wartet unser Landy inkl. Inhalt auf uns. Nach einem kurzen Besuch in der Wäscherei, wo wir unsere neuen Matratzenbezüge und den reparierten Campingstuhl abholen konnten, tauchten wir ein in das grenzenlose Angebot eines mexikanischen Supermarktes. Nach 3 Wochen Kuba wussten wir gar nicht mehr, dass es so viele verschiedene Gemüse- und Früchtesorten gibt... Auch am zweiten Tag galt es einige Pendenzen zu erledigen und endlich wieder unsere elektronische Post zu lesen (Mobiltelefonnetz gibt es in Kuba seit 2008 und Internet ist selten). Im grössten Shopping-Center von Cancun besuchten wir das Kino und sahen uns den Film „Das Zeitalter der Hexen“ an, auch der Burger King kam nicht zu kurz und nach dem frustrierenden Besuch des ausgestorbenen Zentrums in der Hotelzone (es fehlen die Gäste aus den USA) reichte es noch für einen Schlummertrunk im Stadtzentrum. Am Montag konnten wir endlich wieder unser MacBook in Empfang nehmen. Wir haben Dank der Garantieverlängerung kostenlos einen neuen Bildschirm erhalten und USD 720.00 „gespart“. Am Nachmittag verabschiedeten wir uns von Cancun und machten uns auf den Weg nach Puerto Morelos, um nochmals die grenzenlose Gastfreundschaft von Ruth und Denis aus Kanada zu geniessen. Wir lernten gleich noch einen Teil ihrer Verwandtschaft und Nachbarn kennen und vom Angebot einer „free tour“ durch unser Haus wurde am nächsten Morgen reichlich Gebrauch gemacht. Am Mittag gings weiter nach Tulum um ein letztes Mal im Restaurant Da Gigi (www.dagigi.com.mx) feine Pasta und Pizza zu geniessen.
Für den Rest des Tages die Reise zum südlichsten Punkt der mexikanischen Karibikküste nach Xcalak auf dem Programm. Dort absolvierten wir beim XTC Dive Center (www.xtcdivecenter.com) am ersten Tag einen Refresher Course zusammen mit drei Kanadier, die wir am Abend zum Schlummertrunk im Hotel Tierra Maya besuchten, und am zweiten Tag ging es morgens um 6:30 Uhr los zum Chinchorro Reef Underwater National Park, welches 30 km von der Küste entfernt liegt. Das Chinchorro Reef ist auf der Welt eine einmalige Erscheinung. Normalerweise haben die Atolle einen vulkanischen Ursprung, das Chinchorro Reef hat sich jedoch ohne vulkanische Aktivitäten in einer kreisrunden Form gebildet und ist das grösste Korallen-Atoll in der nördlichen Hemisphäre mit 38 km Länge und 13 km Breite. Mit seiner Artenvielfalt an Fischen und Korallen gilt es als eines der besten Tauchgebiete der Welt. Die Hinfahrt dauerte über zwei Stunden und das Boot kämpfte sich gegen den Wind und die Wellen nach Norden. Jolandas Magen hatte daran gar keine Freude und legte dabei zweimal den Rückwärtsgang ein. Den ersten Tauchgang mit 51 Minuten fand beim Punta Isabella statt. Nach einem Mittagessen bei der Ranger Station ging es am Nachmittag zur Punta Islanda, wo wir den zweiten Tauchgang mit 61 Minuten absolvierten. Glücklicherweise durften wir die drei Nächte auf dem Parkplatz des Dive Centers verbringen (kostenlos) bevor wir am 18. Februar 2011 uns auf den Weg nach Belize machten.
Nach über 2 ½ Monaten in Mexico und 8'700 km mehr auf dem Tacho war es an der Zeit weiter nach Süden zu reisen. Mit etwas Wehmut nahmen wir Abschied von Mexico. Wir können ausschliesslich von positiven Erlebnissen in diesem sehr abwechslungsreichen Land berichten und werden es in sehr guter Erinnerung behalten. Hasta la vista Mexico, welcome to Belize!
Liebe Grüsse
Jolanda & Marco
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