(5. September bis 11. Oktober 2010)

Washington, Montana, Wyoming und Utah

Der Grenzübertritt gestaltete sich grundsätzlich problemlos (wir hätten mehr Umstände erwartet). Zuerst haben wir bei den Grenzbeamten etwas Verwirrung ausgelöst, da sie die Autonummer nicht erkannt haben und im Fahrzeugausweis die VIN-Nummer (Vehicle Identification Number) nicht fanden. Mit 5 Beamten konnten wir das Rätsel dann lösen und ohne weitere Fragen und Fahrzeugdurchsuchung die Grenze passieren. Die Stadt Bellingham und ihr Wal-Mart begrüssten uns für die erste Nacht in den USA.

Erste Aufgabe auf dem Tagesprogramm war die Fahrzeugreinigung. Da die Einfuhrbestimmungen in die USA Frischprodukte untersagen, gings weiter zu einem Lebensmittelladen in Bellingham unsere Vorräte aufstocken. Auffallend ist, dass die Lebensmittelpreise im Vergleich zu Kanada tiefer sind und der Wein fast halb so teuer. Nach einem kurzen Mittagessen fuhren wir via Burlington in den North Cascades National Park.

Das Wetter hatte sich über Nacht stark verschlechtert und wir gönnten uns deshalb etwas länger zu schlafen. Nach einem Frühstücks-Verdauungsspazierung auf dem River Loop Trail. Am Abend hörten wir gespannt den Ausführungen eines Rangers zu, der über die Minen im Nationalpark erzählte.

Für den nächsten Tag haben wir uns den Rainy Lake Trail vorgenommen. Leider war das Wetter sehr schlecht und wir entschlossen uns weiter Richtung Osten zu fahren. Erster Stopp war in Winthrop, einem echten Cowboy-Dorf. Die Häuser sehen immer noch wie im wilden West aus und haben ihr ganz spezielles Flair erhalten. Kurz danach stoppten wir in Twisp bei einem Wäschesalon, wo wir auch gleich wieder einmal unsere e-Mail lesen konnten und ein Paar Lebenszeichen absetzten. Weiter gings nach Okanogan, wo wir auf einem Dorf-Rastplatz für USD 5.50 übernachteten. Wir haben uns entschlossen, nochmals Debbie und Lanny in Rock Creek zu besuchen, da wir auf dem Weg in Richtung Montana sehr nahe an ihnen vorbeifahren. So überquerten wir die Grenze USA/Kanada bei Oroville/Osoyoos, besuchten das Desert Center, organisierten ein Geschenk und übernachteten auf dem Arosa Camping.

Man glaubt es kaum aber jetzt sind wir wieder bei Debbie und Lanny in Rock Creek in Canada gelandet. Unser zweiter Aufenthalt vom 9. bis 23. September 2010 war wieder etwas länger als geplant (wie der erste vor ca. 4 Wochen...) Insgesamt haben wir somit 26 Tage in Rock Creek verbracht. Wieder halfen wir bei verschiedenen Arbeiten mit. Wir haben auch erstmals Geld im Ausland verdient. Für die Mithilfe bei einem Auftrag eines Nachbarn hat Marco stolze CAD 260.00 zum Reisebudget beigetragen. Am zweiten Wochenende war Herbstmesse im 270-Seelen Dorf und wir erlebten unser erstes Rasenmäher-Rennen. Ein riesiger Spass diesen mehr oder weniger originalgetreuen Rasenmäher und ihren Fahrern zuzuschauen. Selbstverständlich haben wir auch als freiwilliger Helfer bei der Herbstmesse mitgeholfen: Jolanda bei der Jurierung der Tiere und bei der Eingangskontrolle, Marco beim Parkdienst. Zudem hatten wir die Gelegenheit, Lanny’s Sohn sowie weitere Familienmitglieder kennenzulernen. Der Kreis der Familie wurde dann für den „shower“ für die Enkelin Diaz (eine Art Familientreffen für die Übergabe von Geschenken für das Neugeborene) stark erweitert. Dadurch haben wir auch die Eltern von Debbie kennengelernt. Sie reisen Ende Oktober nach Mazatlan an der Westküste von Mexico und bleiben dort für 5 Monate. Sie haben uns in ihr Appartement eingeladen (ein Gästezimmer wartet auf uns...).

Wir haben bereits die ersten 100 Tage unseres Trips hinter uns, werden dies aber nicht wie die neuen Schweizer Bundesräte weiter kommentieren (dies tun wir ja schon laufend mit unserer Homepage) J Nun sind wir definitiv bei Grand Forks/Danville in die USA eingereist und auf dem Weg zum Yellowstone National Park. Die Landschaft zeigt sich schon sehr herbstlich und die Temperaturen sind schon einiges erfrischender. Der erste Reisetag in der USA führte uns nach Spokane und danach auf der Interstate 90 durch den nördlichen Teil von Idaho via Missoula nach Helena, der Hauptstadt des Bundesstaates Montana. Der Versuch, unsere kanadischen Dollar in US-Dollar umzutauschen, scheint ein sehr schwieriges bis unmögliches Vorhaben zu sein. Und Kanada ist ja bekanntlich nicht in Südostasien sondern ein Nachbarnland der USA. Entweder nehmen die US-Banken gar keine kanadische Dollar an (ausser man oder frau hat ein Konto, was wir natürlich nicht haben) oder aber sie verlangen USD 24 als Gebühr und verdienen zusätzlich noch am Wechselkurs. Ich als ehemaliger Raiffeisen-Banker kann damit überhaupt nicht leben und jetzt fahren wir mit den kanadischen Dollar ein bisschen durch die USA J

Die weitere Reise durch Montana führte uns von Helena über den Highway 12 nach Osten Richtung Billings. Dabei durchquerten wir unendlich weite Prärien, die für jeden guten Indianerfilm herhalten würden.

Leider sind auch wir nicht ganz von administrativen Arbeiten verschont. Heute haben wir endlich den Reisebericht über British Columbia und Alaska online schalten können. Weiter gab es einige Geburtstagskarten und e-Mails zu schreiben sowie mit Jolandas Eltern zu skypen. Ein Lebenszeichen zwischendurch kann nicht schaden. Von Billings gings via der Interstate 90 in Richtung Westen nach Columbus, Absarokee, Red Lodge und über den Beartooth Pass (3'337 m.ü.M) zu einem verlassenen Campingplatz kurz nach der Passhöhe auf über 2'900 m.ü.M. Dies ist ein neuer Höhenrekord für den Landy. Wir hatten das Glück kurz vor Sonnenuntergang unterwegs zu sein. Die Strecke ist der reinste Traum zum Fahren und bietet Gelegenheit für tolle Fotos. Der Wechsel von den unendlichen weiten Landschaften von Montana zu den felsigen Bergen der Rocky Mountains in Wyoming ist beeindruckend. Zudem laufen alle mit Cowboy-Hütten durch die Gegend (so muss man keine Frisur machen...). Am frühen Morgen gings am Beartooth Mountain vorbei zur KZ-Ranch, wo wir gemeinsam einen zweistündigen Ausritt machten (Sir Pieren seit langem wieder einmal auf einem Pferd). Mit etwas stärkeren O-Beinen gings weiter nach Cody, einer typischen Western-Stadt. Für diese Nacht gabs einen Campingplatz mit Dusche. Einen Tag später sind wir in den Yellowstone NP weitergereist.

Der älteste Nationalpark der USA (seit 1891) liegt auf einer Hochebene einer Caldera (ehemaliger Vulkan). Einige Kilometer tiefer liegen grosse Magmakammern, die das Grundwasser zum Kochen bringen und damit für die vielen zischenden Fumarolen, blubbernden Schlammlöchern und Wasser speienden Geysire verantwortlich sind. Auch die Tierwelt hat einiges zu bieten: wir konnten Coyoten, Bisons und Hirsche beobachten. Die erste Nacht verbrachten wir in Mammoth Hot Springs. Mitten in der Nacht wurden wir dann von einem brunftigen Hirsch aufgeweckt, der seine Mädels beeindrucken wollte. Bei Vollmond schlich die Herde um unser Landy und der Hirsch-Bulle ist einen Meter neben uns vorbeigelaufen. Den nächsten Tag widmeten wir voll und ganz den heissen Quellen und Geysiren.

Die zweite Nacht verbrachten wir auf dem grössten Campingplatz des Parks (über 400 Plätze) in Grant Village. Kaum angekommen, umzingelten uns unsere amerikanischen Nachbarn, offerierten ihren Holzkohlegrill und eine Flasche Champagner. Nach dem Nachtessen schwatzten wir noch mit unseren Nachbarn am Lagerfeuer. Die Nacht wurde dann ziemlich kalt, das Thermometer sank bis auf den Gefrierpunkt. Nach einem Besuch von Jackson am südlichen Ende des Grand Teton NP gönnten wir uns zur Feier des Tages ein Nachtessen (Pizza). Bis zum Eindunkeln fuhren wir auf dem Highway 89 in südliche Richtung nach Montpelier und übernachteten bei einem Trucker-Stop. Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht ging die Fahrt weiter nach Salt Lake City (Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002 und Hauptsitz der Mormonen-Kirche), wo wir am Samstag, 2. Oktober 2010 um 16.00 Uhr eine Verabredung mit Sue, Dan und ihren Kindern hatten. Wir haben die beiden in den Kanadischen Rocky Mountains im Banff NP kennengelernt. Aus der Idee vor dem Haus im Landy zu übernachten wurde nichts, sie quartierten uns im Haus von Sue’s Eltern ein, die gerade ein Paar Tage „ausser Haus“ sind, drückten uns die Hausschlüssel in die Hand und wir verabredeten uns etwas später für einen Besuch beim Mexikaner mit anschliessendem Kinoabend (The social network, ein Film über die Entstehungsgeschichte von Facebook). Ein riesiges und wunderschönes Haus ganz für uns alleine und der Fernseher ist etwa so breit wie unser Landy...

Am nächsten Morgen wurden wir von Dan um 8 Uhr abgeholt. Wir absolvierten den Red Pine Trail (4 Meilen one-way) im Cottonwood Canyon kurz vor dem weltbekannten Skiort Snowbird und Alta und ergänzten die Wanderung mit dem Aufstieg auf dem Pfeiffer Mountain. Da wir ja beide etwas Höhenangst haben, waren die steilen Abschnitte für uns eine kleine Herausforderung. Jolanda entschied auf einer Anhöhe auf 3'231 m.ü.M nicht weiter aufzusteigen und Dan und ich stiegen weiter bis auf den Gipfel auf 3'453 m.ü.M. Kurz vor dem letzten Anstieg galt es eine heikle Stelle auf einer Bergkante zu überqueren. Zwei Füsse reichen nicht mehr und wir mussten mit allen Vieren klettern und uns durch Felsspalten hochziehen. Die Anstrengung hat sich aber gelohnt. Auf dem Gipfel gab es einen tollen Blick bis nach Salt Lake City. Für Jolanda und mich waren beide Punkte ein neuer Höhenrekord beim Wandern (ohne Bergbahnen). Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns und besuchten das „Museum of Ancient Life“ in Lehi, wo wir über 60 Skelette von Dinosauriern bestaunten, einkaufen bei Wal-Mart und danach der Film „Legend of the Guardiens“ in 3D mit voll cooler Brille J. Dreimal dürft ihr raten wo wir übernachtet haben...

Wir haben wieder einmal ausgeschlafen (was eher selten vorkommt) und uns danach von Lehi in Richtung Südosten nach Moab auf die Socken gemacht. Dort haben wir uns für 3 Nächte auf einem Camping im Dorf einquartiert. Am ersten Abend haben wir die lokale Brauerei mit Bar aufgesucht. Im Norden von Moab liegt der Arches Nationalpark, den wir während eines ganzen Tages durchfahren und –marschiert haben. Der Park hat über 1'500 Steinbögen, die meisten davon sind nur über unendliche Wanderungen erschlossen. Wir haben von Helen und Hans Meier (Alt-Luzerner) noch Post auf unserer Windschutzscheibe gefunden. Sie sind auf dem gleichem Campingplatz wie wir, selbstverständlich haben wir sie am Abend noch besucht. Marco wollte am Nachmittag noch die Double O Arches besuchen und Jolanda blieb im Auto zurück. Ich hätte die Schlechtwetterfront ja schon kommen sehen, aber das Hirn wollte nach 8 km auch noch die letzten 1.5 km bis zu den Double O Arches absolvieren. Dort angekommen hatte der Wind bereits Orkanstärke und der Himmel verdunkelte sich blitzartig. Der Weltuntergang ging dann aber erst richtig los, als ich zu 8 anderen Touristen aufgeschlossen bin. Zwei Franzosen, zwei Asiaten, zwei Österreicher, vier Amerikaner und ich drängten sich eng an eine Felswand, nachdem die ersten Blitze in der Nähe eingeschlagen haben. Zuerst kam der Regen, dann der Wind und am Schluss noch Hagel. Innert kürze waren wir alle bis auf die Haut durchnässt. Nach einer halben Stunde im Sturm entschlossen wir uns den Rest des Weges mit leichtem Joggen bis zum Parkplatz zurücklegen. Dort angekommen, wie könnte es auch anderst sein, klarte der Himmel wieder auf. Es ist erstaunlich wie schnell der menschliche Körper bei Wind und Niederschlag beginnt auszukühlen, auch bei relativen warmen Temperaturen. Schlotternd kam ich beim Landy an, Jolanda hatte bereites trockene Kleider und Tücher zum Abtrocknen bereit gemacht. Wir verabredeten uns noch spontan mit den beiden Österreichern zum Debriefing (Nachtessen) und machten uns auf dem Weg zum Campingplatz und einer warmen Dusche.

Ein neuer Tag mit neuem Glück: heute absolvierten wir den 5-stündigen Off-road Trail „Chicken Corner“.  Moab ist für seine Bike und 4WD-Trails weltbekannt. Grosse Männer mit grossen Spielzeugen. Der Chicken Corner Trail führte über einen Pass in einen Canyon hinein. Das wahre Paradies für Off-raod Fans und alle ATTC-Mitglieder... Bevor wir uns von Moab verabschiedeten wollten wir das 4WD Paradies nochmals auskosten und sind den Gemini Trail gefahren. Der Landy war danach farblich nicht wieder zu erkennen, wir haben ihn das so richtig geduscht und wieder flott gemacht bevor wir via Green River auf den Highway 24 und 12 Richtung Westen eingebogen sind. Die Fahrt führte uns durch den Capitol Reef Nationalpark bis nach Escalate. Mehr dazu im nächsten Reisebericht!

Liebe Grüsse aus den USA

Jolanda und Marco

 

«There are no foreign lands. It is the traveler only who is foreign.»

Robert Louis Stevenson, The Silverado Squatters, 1883